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“The Path Of Love”, Release: 19.08..2011, Tribal Stomp / Cargo / Fuego
Durchweg gute Kritiken haben die Vorgängeralben erhalten, auch hier im Magazin. Die in der letzten Rezension angesprochene Tradition, jedes Mal einen anderen Rezensenten vorzufinden, führe ich hiermit fort. Angesichts einiger Lobeshymnen traue ich mich schon gar nicht, etwas Gegenteiliges feststellen zu wollen. Denn, um es gleich vorweg zu nehmen, sehe ich das Eine oder Andere dann doch etwas anders. Einige Zitate aus vorherigen Rezensionen, die mir in diesem Zusammenhang auffielen, hier als Erstes: »...denn der relaxte, treibende Sound nimmt einen sofort gefangen...« »...Keine Minute langweilig grooven die Stücke über eine Stunde... « »...eine losgelöste Leichtigkeit, die den Zuhörer erneut in diese irgendwie unwirklich scheinende Welt, diese herrlichen Traumlandschaften zurückzieht...« »...Die Mischung macht es aus und die scheint auf der ganzen Linie gelungen...« In Verbindung mit Zeitloop hatte ich den Namen Joe Weninghoff übrigens erst einmal gehört. Die Einleitung mit dem kurz eingeworfenen E-Gitarrenlauf klingt nach "Shine On You Crazy Diamond" von Pink Floyd, doch dann versammeln sich nach und nach mehrere Einflüsse. Akustische Gitarren, im Hintergrund schwelende Keyboards und der mehr zweitrangig angeordnete Gesang versuchen eine Einheit zu bilden, ohne dass für mich wirklich alles zusammenwächst. Dazu auch noch die Perkussion, die spontan den Schluss zulässt, weniger, aber dafür mit mehr Tiefe, wäre eventuell mehr gewesen. So erkenne ich kein klares Konzept, die Musik schwebt eher vor sich hin, es fehlt an Akzenten, Akzenten, die mich aufmerksam machen, die eine 'Mitte' schaffen, die unbewusst nach etwas Besonderem suchen. Nun gut, Musik muss nicht unbedingt spektakulär sein, auch ich bin kein Freund von 'Schneller, Besser, Höher, Weiter', doch ist für mich etwas anderes wichtig, nämlich der Aspekt des 'Zupackens', Zupacken, das nichts mit Showgehabe, mit Höchstleistungen und viel Energie zu tun haben muss, aber mit Ausdruck und tiefer Emotion. Genau das vermisse ich bei diesem Opener, sowohl im Gesang als auch im Arrangement, lediglich die E-Gitarre vermag gelegentlich gute Akzente zu setzen. Merkwürdig, bei "Summer Sun" wird nunmehr ein Schritt in diese Richtung vollzogen, gleich von Beginn an werden klare Strukturen geschaffen, wird ein Wiedererkennungswert geschaffen, wird Zugänglichkeit praktiziert. Harmonisch im Arrangement, harmonisch im Einsatz der Stimmen, zurückhaltend, aber gezielt eingesetzte Gitarreneinwürfe, so ist das eindeutig besser. Nicht so sehr gefallen mir der leicht schwülstige Keyboardeinsatz, das hätte gern mehr im Hintergrund bleiben können sowie auch die steif wirkenden, programmierten Drums. Aber, erleichtert kann ich feststellen, dass der erste Titel hinsichtlich meiner zu jenem geäußerten Kritik offensichtlich ein Ausrutscher gewesen sein mag, geht es doch auch mit Track drei ambitionierter zu. Hier hätte ich die etwas zart im Hintergrund agierende E-Gitarre gern etwas präsenter gehabt. Weninghoff sollte sich trauen, mehr aus sich heraus zu gehen, so klingt es bisweilen recht zaghaft. Die Background Vocals auf diesem Stück dafür bitte ersatzlos streichen, sie bringen Unruhe in den Titel. Auch die hauptsächliche Sängerin Cetinyilmaz würde ich kraftvoller agieren lassen, damit sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme mehr akzentuieren kann, den Druck darin kann ich doch spüren, also zurück mit der Zurückhaltung. Besser passt die Zurückhaltung insgesamt auf dem sehr ruhig gehaltenen Song "I Know I Know", der in der Tat etwas von Pink Floyd'scher Atmosphäre einbringt. Da werden nun einmal echte Drums eingesetzt, auf "Taking Me Down", doch rumpeln sie mehr als sie mich begeistern können - das bisher eindeutig langweiligste und für mich überflüssigste Stück. Was jetzt - ein Herr singt? "The Fields Inside", ja, Marco Platzer ist es, sorry, aber das kommt mir auch recht steif und bemüht, leider geht mir die Spannung, die sich ab dem zweiten Titel angenehm aufgebaut hatte, wieder verloren. Ob sie wiederkommt? Erst einmal nicht, bis "Mountain Peaks" eine gute Abwechslung bringt. Das Ganze wirkt hier stimmiger, und mit einem gewissen angenehm altmodischen Ausdruck deutet sich auch bei diesem Titel an, was ich für entwicklungsfähig innerhalb des Konzepts halte. Wenn sich dann nach dem kurzen Gitarrensolo bei fast Minute Fünf die Keyboards breitflächig in den Vordergrund drängen, dann macht sich doch noch ein gewisses angenehmes Wohlgefühl bei mir breit. Und genau hier sehe ich dann auch das Potential: Bei langen Stücken wie diesem kann Entwicklung stattfinden, sich Freiheit entwickeln, die bei den kurzen Titeln in ein Korsett gezwängt wird, das nur dann nicht störend wäre, wenn die Arrangements prägnanter wären. Also, loslassen, improvisieren was das Zeug hält und lange Klanglandschaften wie diese malen! Die Palette hierfür wird dann noch einmal mit dem letzten Song herausgeholt. Dieser und der vorgenannte Track sind für mich die Höhepunkte sowie als kleiner 'Hit' das Stück "Summer Sun"! Zusammen mit "Family Affair" für mich persönlich immerhin vier gute Stücke... Für die totale Entspannung ist mir die Musik nicht 'watteweich' genug, mir fehlt etwas, vielleicht hinsichtlich der Abwechslung auch der auf früheren Platten spielende Flötist. So vermisse ich eine gewisse 'Abgeklärtheit', teilweise dümpelt die Musik zu sehr an der Oberfläche und wirkt dadurch flach, und offenbart nicht die wahre Schönheit, die ihr eigentlich im Kern innewohnt. So empfinde ich den Sound oft als zäh, steif und starr und uneinheitlich. Das liegt vielleicht auch daran, dass instrumental fast nur Weninghoff tätig ist, einige Begleitmusiker würden möglicherweise ganz gut tun, und ein echter Drummer, der Flexibilität in die Musik bringen könnte. Die einzelnen teilweise recht guten und interessanten Elemente finden nicht immer zusammen und lassen mich leider eher gelangweilt als erfreut zurück. (Wolfgang Giese) Rocktimes

 


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